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Magnificat
Macht und Umkehr

"Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhöhet die Niedrigen."

Lukas 1,52

Das Magnificat – Marias Lobgesang – ist einer der radikalsten Texte der Bibel. Er besingt nicht die Bewahrung der Ordnung, sondern ihre Umkehr: Machtverhältnisse kippen, gesellschaftliche Hierarchien werden auf den Kopf gestellt.
Das Konzert versteht diesen Gedanken als Ausgangspunkt einer musikalischen und spirituellen Bewegung: von der Macht zur Demut, von der Hierarchie zur Gemeinschaft, vom Sakralen zum Menschlichen.
Werke aus unterschiedlichen Jahrhunderten beleuchten diesen Gedanken aus spiritueller, gesellschaftlicher und klanglicher Perspektive.

Besonderer Fokus liegt auf Caroline Shaws Meisterwerk Partita for 8 Voices. Wir präsentieren die Würzburger Erstaufführung des ersten Satzes, Allemande. Das Werk selbst kann als musikalischer Akt der Machtumkehr verstanden werden: Es durchbricht
traditionelle Vorstellungen von Chorklang, integriert Sprache, Atem und Bewegung und greift unter anderem auf Techniken wie das Tuvan Throat Singing zurück.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Magnificat der Benediktinerin Chiara Margarita Cozzolani (1602–nach 1676). Ihre Musik steht exemplarisch für die weibliche Stimme in einer von Männern dominierten Musikkultur des 17. Jahrhunderts – selbstbewusst, ausdrucksstark und theologisch tief verankert. In ihrem Magnificat erhebt sich Marias Lobgesang als Stimme der Frau, die innerhalb klösterlicher Grenzen eine eigene künstlerische Freiheit behauptet. So begegnen sich in diesem Programm zwei Jahrhunderte eiblicher Perspektiven: von Cozzolanis spiritueller Selbstermächtigung bis zu Shaws zeitgenössischem Klang der Gleichberechtigung.

 

Das Konzert spannt den Bogen vom barocken Glaubensbekenntnis bis zur zeitgenössischen Klanggemeinschaft.
Im Zentrum steht die Frage: Wie klingt Machtverzicht – und wie Gerechtigkeit?

Mitwirkende

Sopran: Sarah Puttkammer, Carolina Schremmer

Alt: Marie Falldorf, Franka Weidlich

Tenor: Konstantin Glomb, Samuel Roth

Bass: Philipp Ehinger, Tobias Ripplinger

Orgel/Continuo: Tyron Kretzschmer

Gambe: Katharina Lampersperger

Künstlerische Leitung: Lena herber

Programm

Heinrich Schütz: Deutsches Magnificat, SWV 494

Johann Sebastian Bach: Jesu, meine Freude, BWV 227

Caroline Shaw: Partita for 8 voices – Nr. 1 Allemande

John Tavener: Mother of God here I stand

Hanna Havrylets: Tropar an die Heilige Mutter Gottes

Chiara Margarita Cozzolani: Magnificat primo